Grundlegende Kameraeinstellungen: ISO, Blende und Belichtungszeit – einfach erklärt für Fotoanfänger

Du stehst draußen in der Natur. Die Sonne geht gerade auf, Nebel zieht über die Wiesen, irgendwo ruft ein Vogel – und du zückst deine Kamera oder dein Smartphone. Klick. Später auf dem Display dann die Ernüchterung: Das Foto ist zu dunkel, zu hell, verwackelt oder einfach nicht so stimmungsvoll wie der Moment selbst.

Kommt dir bekannt vor? Dann bist du hier genau richtig.

In diesem Artikel nehmen wir uns die drei wichtigsten Kameraeinstellungen vor, die über Erfolg oder Frust entscheiden: ISO, Blende und Belichtungszeit. Keine Angst – das wird kein trockener Technik-Vortrag. Wir bleiben locker, praxisnah und immer mit Blick auf Natur- und Landschaftsfotografie. Außerdem zeige ich dir, wie du viele dieser Prinzipien auch beim Fotografieren mit dem Handy anwenden kannst.

Mach dir einen Kaffee, schnapp dir deine Kamera – los geht’s.


Warum ISO, Blende und Belichtungszeit so wichtig sind

ISO, Blende und Belichtungszeit bilden zusammen das sogenannte Belichtungsdreieck. Diese drei Einstellungen bestimmen gemeinsam, wie hell oder dunkel dein Foto wird – und haben gleichzeitig großen Einfluss auf Bildstil, Schärfe und Stimmung.

Das Wichtigste vorweg: Es gibt keine perfekte Einstellung, die immer funktioniert. Gute Fotografie bedeutet, bewusst Entscheidungen zu treffen. Genau dabei helfen dir diese drei Stellschrauben.

Bevor wir ins Detail gehen, hier eine einfache Merkhilfe:

  • ISO → Lichtempfindlichkeit
  • Blende → Wie viel Licht ins Objektiv fällt & wie unscharf der Hintergrund wird
  • Belichtungszeit → Wie lange Licht auf den Sensor trifft & ob Bewegung eingefroren wird

Jetzt schauen wir uns jede Einstellung einzeln an – ganz ohne Fachchinesisch.


ISO – die Lichtempfindlichkeit deiner Kamera

Fangen wir mit der ISO an, weil sie oft am meisten Verwirrung stiftet.

Die ISO-Einstellung bestimmt, wie empfindlich der Kamerasensor auf Licht reagiert. Je niedriger der ISO-Wert, desto weniger empfindlich – je höher, desto empfindlicher.

Typische ISO-Werte

  • ISO 50–100: Sehr wenig Rauschen, maximale Bildqualität
  • ISO 200–400: Leichter Qualitätsverlust, meist kaum sichtbar
  • ISO 800–1600: Deutliches Bildrauschen
  • ISO 3200+: Nur im Notfall

Grundregel für Landschaftsfotografie:
So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig.

ISO in der Naturfotografie

Bei Landschaften hast du einen riesigen Vorteil: Sie bewegen sich meist nicht. Das bedeutet, du kannst fast immer mit niedrigen ISO-Werten arbeiten – vor allem, wenn du ein Stativ benutzt.

Perfekte Situationen für niedrige ISO-Werte:

  • Sonnenauf- und -untergänge
  • Nebelstimmungen
  • Wälder und Seen
  • Weite Landschaften

Ein niedriger ISO-Wert sorgt für:

  • Klare Farben
  • Saubere Übergänge im Himmel
  • Maximale Details

Typischer Anfängerfehler:
ISO unnötig hoch einstellen, obwohl genug Zeit und Licht vorhanden wäre.

ISO beim Fotografieren mit dem Handy

Smartphones regeln die ISO meistens automatisch. Aber viele Kamera-Apps (z. B. im Pro-Modus) erlauben manuelle Kontrolle.

Tipps fürs Handy:

  • Fotografiere bei Tageslicht → ISO möglichst niedrig
  • Stütze das Handy ab (Zaun, Stein, Rucksack)
  • Nutze den Nachtmodus nur, wenn es wirklich dunkel ist

Auch hier gilt: Weniger ISO = bessere Bildqualität.


Die Blende – mehr als nur Licht

Die Blende ist eine der kreativsten Einstellungen überhaupt.

Sie sitzt im Objektiv und funktioniert wie die Pupille deines Auges: Sie öffnet sich bei wenig Licht und schließt sich bei viel Licht.

Angegeben wird die Blende mit sogenannten f-Werten, zum Beispiel:

  • f/2.8
  • f/5.6
  • f/8
  • f/11
  • f/16

Wichtig: Kleine Zahl = große Öffnung, große Zahl = kleine Öffnung.

Was die Blende beeinflusst

Die Blende hat zwei Hauptaufgaben:

  1. Sie regelt die Lichtmenge
  2. Sie bestimmt die Tiefenschärfe

Und genau das ist für Landschaftsfotografie extrem wichtig.

Blende und Schärfentiefe in der Landschaft

In der Landschaftsfotografie wollen wir meistens, dass möglichst viel im Bild scharf ist – vom Vordergrund bis zum Horizont.

Dafür eignen sich besonders:

  • f/8
  • f/11

Diese Blenden liefern:

  • Große Schärfentiefe
  • Sehr gute Bildschärfe
  • Kaum optische Fehler

Profi-Tipp:
Die meisten Objektive sind bei f/8 am schärfsten.

Wann offene Blenden sinnvoll sind

Auch in der Naturfotografie kann eine offene Blende sinnvoll sein, zum Beispiel bei:

  • Blumen im Vordergrund
  • Detailaufnahmen
  • Freigestellten Landschaftselementen

Eine offene Blende (z. B. f/2.8 oder f/4) erzeugt einen unscharfen Hintergrund und lenkt den Blick gezielt.

Blende beim Smartphone

Die meisten Smartphones haben eine feste Blende. Aber:

  • Porträtmodus simuliert Hintergrundunschärfe
  • Näher ans Motiv gehen verstärkt den Unschärfe-Effekt
  • Weitwinkel sorgt für mehr Tiefenschärfe

Auch ohne echte Blendenkontrolle kannst du also kreativ arbeiten.


Die Belichtungszeit – Bewegung kontrollieren

Die Belichtungszeit gibt an, wie lange Licht auf den Sensor fällt. Sie wird in Sekunden oder Sekundenbruchteilen gemessen.

Beispiele:

  • 1/1000 s
  • 1/250 s
  • 1/30 s
  • 1 s
  • 10 s

Kurze vs. lange Belichtungszeit

Kurze Belichtungszeit:

  • Friert Bewegung ein
  • Ideal für Wind, Wellen, Tiere

Lange Belichtungszeit:

  • Erzeugt Bewegungsunschärfe
  • Perfekt für Wasser, Wolken, Nebel

Belichtungszeit in der Landschaftsfotografie

Hier kannst du richtig kreativ werden:

  • Glattes Wasser bei Seen und Flüssen
  • Ziehende Wolken am Himmel
  • Mystische Stimmung bei Nebel

Dafür brauchst du oft:

  • Niedrige ISO
  • Geschlossene Blende
  • Stativ

Verwackeln vermeiden

Ohne Stativ gilt als Faustregel:

Belichtungszeit ≈ 1 / Brennweite

Bei 24 mm → mindestens 1/25 s
Bei 50 mm → mindestens 1/50 s

Bildstabilisatoren helfen, ersetzen aber kein Stativ.

Belichtungszeit mit dem Handy

Smartphones sind hier überraschend stark:

  • Nachtmodus nutzt mehrere lange Belichtungen
  • Pro-Modus erlaubt manuelle Zeiten
  • Mini-Stative sind günstig und effektiv

Tipp: Lege das Handy auf den Boden oder einen Stein – das wirkt Wunder.


Das Zusammenspiel: ISO, Blende und Zeit gemeinsam nutzen

Jetzt kommt der wichtigste Teil: Diese drei Einstellungen funktionieren nicht isoliert.

Änderst du eine Einstellung, musst du mindestens eine andere anpassen.

Beispiel:

  • Blende schließen → weniger Licht
  • Ausgleich durch längere Zeit oder höhere ISO

Genau hier entsteht fotografisches Verständnis.

Empfohlene Grundeinstellungen für Landschaften

  • ISO: 100
  • Blende: f/8
  • Belichtungszeit: nach Bedarf

Das ist ein perfekter Startpunkt für 80 % aller Landschaftsfotos.


Automatik, Halbautomatik oder Manuell?

Gerade für Einsteiger ist die Frage wichtig: Muss ich alles manuell einstellen?

Klare Antwort: Nein.

Empfohlene Modi

  • A / Av (Blendenpriorität): Du wählst die Blende, Kamera regelt den Rest
  • S / Tv (Zeitpriorität): Du wählst die Zeit
  • M (Manuell): Volle Kontrolle

Für Landschaften ist die Blendenpriorität ideal.


Fazit: Technik verstehen, Natur fühlen

ISO, Blende und Belichtungszeit sind keine Hürden – sie sind Werkzeuge. Je besser du sie verstehst, desto freier kannst du fotografieren.

Gerade in der Natur- und Landschaftsfotografie geht es nicht um perfekte Technik, sondern um:

  • Licht
  • Stimmung
  • Geduld

Nutze die Technik, um genau das einzufangen.

Und denk daran: Das beste Foto entsteht nicht im Menü deiner Kamera – sondern draußen.

Rausgehen. Beobachten. Fotografieren.

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