Grundeinstellungen für die Brennweite an der Kamera und am Handy

Der entspannte Guide für Natur- und Landschaftsfotografie

Wenn du gerade erst mit der Fotografie startest – oder deine Landschaftsbilder endlich auf das nächste Level bringen willst – dann ist die Brennweite eines der wichtigsten Themen überhaupt. Und gleichzeitig eines der meist unterschätzten.

Viele denken am Anfang:
„Ich zoome halt ran oder raus.“

Aber Brennweite ist viel mehr als nur Zoom. Sie beeinflusst Perspektive, Bildwirkung, Tiefenstaffelung und sogar die Stimmung deiner Naturaufnahmen.

In diesem Artikel zeige ich dir ganz entspannt und verständlich:

  • Was Brennweite wirklich bedeutet
  • Welche Grundeinstellungen sinnvoll sind
  • Welche Brennweiten sich für Landschaft besonders eignen
  • Wie du mit dem Handy clever arbeitest
  • Typische Anfängerfehler – und wie du sie vermeidest

Alles praxisnah erklärt – für Kamera und Smartphone.


Was ist Brennweite überhaupt?

Kurz gesagt:
Die Brennweite (angegeben in Millimetern, z. B. 16mm, 35mm oder 85mm) bestimmt, wie viel von der Szene du auf dein Bild bekommst.

Je kleiner die Zahl:
→ desto mehr passt ins Bild (Weitwinkel)

Je größer die Zahl:
→ desto näher wirkt dein Motiv (Tele)

Wichtig zu verstehen:
Die Brennweite verändert nicht nur den Bildausschnitt, sondern auch die Perspektive und Bildwirkung.

Ein Weitwinkel lässt Vordergründe größer wirken und dehnt Räume.
Ein Teleobjektiv „staucht“ die Landschaft und lässt Elemente näher zusammenrücken.

Genau hier beginnt die kreative Magie.


Die drei wichtigsten Brennweiten-Bereiche für Landschaftsfotografie

1. Weitwinkel (ca. 10–24mm APS-C / 16–35mm Vollformat)

Perfekt für:

  • Weite Landschaften
  • Küsten
  • Wälder
  • Himmel mit dramatischen Wolken
  • Kompositionen mit starkem Vordergrund

Weitwinkel erzeugt:

  • Gefühl von Größe
  • starke Tiefenwirkung
  • Dynamik im Bild

Aber Achtung:
Alles im Hintergrund wirkt kleiner als in Wirklichkeit. Berge sehen plötzlich weniger beeindruckend aus, wenn du sie nur „von weit weg“ fotografierst.

Der Trick:
Baue immer einen spannenden Vordergrund ein. Steine, Gras, Holz, Wege oder Wasserflächen funktionieren perfekt.



2. Standardbereich (ca. 35–50mm)

Perfekt für:

  • natürliche Bildwirkung
  • harmonische Landschaftsausschnitte
  • ruhige Naturmotive

Diese Brennweite entspricht ungefähr unserem natürlichen Seheindruck. Bilder wirken dadurch besonders authentisch und ausgewogen.

Ideal für:

  • Waldwege
  • Seenlandschaften
  • Felder bei Sonnenuntergang
  • Landschaften mit klarer Struktur

Wenn du unsicher bist:
Mit 35mm liegst du fast nie falsch.

Gerade für Anfänger ist das eine fantastische „Trainings-Brennweite“, weil du gezwungen bist, bewusster zu komponieren.


3. Telebereich (70mm – 200mm und mehr)

Tele wird in der Landschaftsfotografie oft unterschätzt.

Perfekt für:

  • Bergketten
  • Sonnenuntergänge
  • Lichtstimmungen
  • Details in der Natur
  • Nebel und Dunst

Tele komprimiert die Perspektive.
Das heißt: Elemente im Hintergrund wirken näher zusammen.

Das sorgt für:

  • dramatische Sonnenuntergänge
  • beeindruckende Mondaufnahmen
  • grafische Landschaftsbilder
  • starke Schichtungen bei Hügeln oder Bergen

Gerade bei Nebel entsteht mit Tele eine unglaubliche Tiefe.



Die wichtigsten Grundeinstellungen an der Kamera

Jetzt wird es praktisch.

Wenn du mit einer Systemkamera oder DSLR fotografierst, solltest du folgende Dinge beachten:


1. Blende passend zur Brennweite wählen

In der Landschaftsfotografie willst du meist viel Schärfe im Bild.

Gerade bei Weitwinkel gilt:

→ Blende zwischen f/8 und f/11
→ maximale Schärfe
→ großer Schärfebereich

Bei Tele:

→ ebenfalls f/8 bis f/11 für durchgängige Schärfe
→ bei Detailaufnahmen darf es auch offener sein (z. B. f/4)

Vermeide extrem geschlossene Blenden wie f/22 – hier leidet oft die Bildqualität.


2. Verwacklungen vermeiden

Je länger die Brennweite, desto schneller verwackelt dein Bild.

Faustregel:

Verschlusszeit mindestens 1 / Brennweite

Beispiel:

200mm → mindestens 1/200 Sekunde
100mm → mindestens 1/100 Sekunde

Mit Stativ?
Dann kannst du natürlich deutlich länger belichten – perfekt für Langzeitaufnahmen am Meer oder bei fließendem Wasser.


3. Zoomobjektiv oder Festbrennweite?

Beides hat Vorteile.

Zoomobjektiv:

  • flexibel
  • ideal für Reisen
  • perfekt für spontane Naturmomente

Festbrennweite:

  • meist bessere Bildqualität
  • oft lichtstärker
  • zwingt dich zu bewussterer Bildgestaltung

Gerade als Anfänger ist ein 16–55mm oder 18–105mm Zoom eine sehr gute Wahl.


Brennweite bewusst einsetzen: Bildwirkung verstehen

Brennweite ist kein technischer Wert – sie ist ein Gestaltungsmittel.


Weitwinkel = Nähe + Tiefe

Stell dir vor, du fotografierst Dünen, Heideflächen oder einen Waldweg.

Mit Weitwinkel kannst du:

  • Linien betonen
  • Tiefe erzeugen
  • Wolken dramatisch darstellen
  • Bewegung im Vordergrund hervorheben

Wichtig:
Geh nah ran!

Weitwinkel lebt vom Vordergrund. Wenn du zu weit weg bleibst, wirkt das Bild langweilig und leer.



Tele = Ruhe + Reduktion

Tele isoliert.

Perfekt für:

  • einzelne Bäume im Nebel
  • Lichtstrahlen im Wald
  • Sonnenuntergänge
  • abstrakte Naturmotive

Wenn du minimalistische Bilder liebst, probiere bewusst längere Brennweiten.

Tele hilft dir, Chaos aus dem Bild zu entfernen und den Fokus auf das Wesentliche zu legen.


Brennweite am Handy – das musst du wissen

Moderne Smartphones haben meistens:

  • 0.5x (Ultraweitwinkel)
  • 1x (Standard)
  • 2x oder 3x (Tele)

Aber Achtung:

Digitalzoom = Qualitätsverlust.

Nutze möglichst nur:

  • die festen Brennweiten deiner Kamera-App
  • keinen stufenlosen Pinch-Zoom

Wenn du näher ran willst und nur Digitalzoom verfügbar ist:
Lieber normal fotografieren und später zuschneiden.


Ultraweitwinkel am Handy – sinnvoll oder nicht?

Ja – aber mit Bedacht.

Ultraweitwinkel ist:

  • perfekt für große Landschaft
  • ideal bei wenig Platz
  • gut für dramatischen Himmel

Aber:

  • Verzerrungen an den Rändern
  • weniger Licht
  • teilweise geringere Bildqualität

Mein Tipp:
Nutze Ultraweitwinkel nur bei gutem Licht und achte besonders auf einen spannenden Vordergrund.


1x-Modus – dein bester Freund

Der Standardmodus liefert:

  • beste Qualität
  • natürlichste Darstellung
  • saubere Farben
  • meist den größten Sensor

Für 80 % deiner Naturbilder reicht 1x völlig aus.

Gerade für Social Media oder deinen Fotografie-Feed ist das oft die sicherste Wahl.


2x oder 3x Tele am Handy

Super für:

  • Sonnenuntergänge
  • Details in der Landschaft
  • entfernte Bäume oder Gebäude
  • Nebelstimmungen

Aber:

Nur optischer Zoom ist wirklich gut.

Digitaler Zoom?
Lieber vermeiden.



Häufige Anfängerfehler bei der Brennweite

Fehler 1: Alles nur mit Weitwinkel fotografieren

Ja, Weitwinkel ist beeindruckend.

Aber wenn jedes Bild gleich aussieht, fehlt Abwechslung.

Mische bewusst verschiedene Brennweiten in deinem Portfolio.


Fehler 2: Zu weit weg stehen

Viele Anfänger fotografieren aus „Respektabstand“.

Das Problem:

Das Bild wirkt flach und uninteressant.

Die Lösung:

  • Geh näher ran
  • Verändere deine Perspektive
  • Geh in die Hocke
  • Fotografiere von oben
  • Experimentiere

Fehler 3: Nur zoomen statt bewegen

Zoom ersetzt keine Bewegung.

Frag dich:

  • Kann ich näher ran?
  • Kann ich seitlich gehen?
  • Kann ich einen besseren Vordergrund finden?

Perspektive schlägt Brennweite.


Konkrete Empfehlungen für Natur- und Landschaftsfotografie

Küste & Meer

  • 16–24mm für Weite
  • 70–200mm für Sonnenuntergänge
  • Vordergrund (Steine, Muscheln, Holz) einbauen

Wald

  • 24–35mm für natürliche Wirkung
  • 70–100mm für Lichtstimmungen
  • Tele für Nebel und Lichtstrahlen

Berge oder Hügel

  • Weitwinkel für epische Perspektive
  • Tele für Schichtungen und Tiefe

Heide oder Felder

  • 35mm für ruhige Komposition
  • Tele für grafische Muster

Kreativer Trainings-Tipp

Wenn du an einem Spot bist:

  1. Fotografiere zuerst mit Weitwinkel
  2. Dann mit Standardbrennweite
  3. Danach mit Tele

Vergleiche später die Bilder.

Du wirst merken:
Oft ist das beste Bild nicht das offensichtlichste.


Mini-Checkliste vor dem Auslösen

  • Welche Brennweite passt zur Stimmung?
  • Gibt es einen Vordergrund?
  • Wirkt das Bild zu voll oder zu leer?
  • Brauche ich mehr Nähe oder mehr Abstand?
  • Unterstützt die Brennweite meine Bildidee?

Finde deine Lieblingsbrennweite

Viele erfolgreiche Landschaftsfotografen arbeiten bevorzugt mit:

  • 24mm für epische Weite
  • 35mm für Storytelling
  • 85–200mm für Stimmung

Probiere mal eine Woche nur 35mm.
Oder nur Tele.

Das schärft deinen Blick enorm.


Fazit: Brennweite ist dein kreatives Werkzeug

Brennweite ist nicht nur eine technische Einstellung.

Sie bestimmt:

  • Wie groß wirkt die Landschaft?
  • Wie tief ist dein Bild?
  • Wie nah fühlt sich der Betrachter?
  • Wie ruhig oder dramatisch wirkt die Szene?

Für Einsteiger gilt:

  • Weitwinkel für epische Weite
  • 35mm für natürliche Bilder
  • Tele für Stimmung und Details
  • Am Handy möglichst optischen Zoom nutzen
  • Digitalzoom vermeiden
  • Immer bewusst komponieren

Und das Wichtigste:

Beweg dich.
Probier aus.
Vergleiche.
Analysiere deine Bilder.

Fotografie ist Übung – aber mit dem richtigen Verständnis für Brennweite machst du einen riesigen Schritt nach vorne.

Und genau hier beginnt dein eigener Stil.

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